Investoren interessieren sich nur für große Hotels


Von: Rainer Reichel, HandelsblattKleine Hotels haben es immer schwerer gegen die großen Ketten. Sie sind für Geldgeber weniger attraktiv, haben schlechtere Reservierungssysteme und Internetauftritte. In zehn bis fünfzehn Jahren könnte schon jedes zweite deutsche Hotelzimmer einem der Großkonzerne gehören.
Die großen Hotelketten werden immer weiter wachsen – zu Lasten der Privathoteliers mit einem oder wenigen Häusern. Die Privaten haben gegenüber den Ketten gleich mit mehreren Problemen zu kämpfen: Sie sind häufig nicht an vergleichbar leistungsfähige Reservierungssysteme angeschlossen und nicht so leicht im Internet zu finden, über das immer mehr Kunden buchen. Außerdem fällt es ihnen schwer, Geldgeber zu finden.

In zehn bis fünfzehn Jahren werden Hotelketten einen Anteil von rund 50 Prozent an den deutschen Hotelzimmern haben“, sagte Martin Bowen, Chef des Entwicklungsteams für Kontinentaleuropa der Intercontinental Hotels Group (IHG), Mittwoch am Rande einer von Heuer Dialog veranstalteten Hotelkonferenz in Hamburg. IHG führt unter mehreren Marken weltweit rund 3 700 Hotels. Aktuell sind in Deutschland rund 23 Prozent der knapp 900 000 Zimmer in den Händen der Marken-Hotellerie. Obwohl die Ketten ständig neue Häuser eröffnen, nimmt die Zahl der Betten nur minimal zu, weil jedes Jahr 1 500 bis 2 000 kleinere Herbergen von Privateigentümern schließen. „Budget-“ und „Low Budget“-Hotels werden die Privaten verdrängen“, prophezeite Axel Deitermann, geschäftsführender Gesellschafter der NPC Hotelentwicklung & -management GmbH, in Hamburg.

Zudem kreieren die weltweit aktiven Hotelkonzerne immer wieder neue Sub-Marken. Ähnlich wie Autohersteller durch zusätzliche Modellvarianten Nischen besetzen, individualisieren sie das Angebot und dringen dabei auch in niedrigere Preissegmente und damit die Domäne der eignergeführten Hotels vor. Gegenwärtig bedroht die wachsende Zahl sogenannter „Focused-Sevice“- und „Limited-Service“-Hotels die vielen „Garni“-Hotels in den deutschen Städten.
Marktforscher schätzten das Marktpotenzial der Häuser mit eingeschränktem Service in Deutschland auf 400 bis 600 Häuser. Zurzeit gebe es etwa 150, sagte IHG-Entwickler Bowen. Als Standorte für diese Kategorie kommen auf jeden Fall die 82 deutschen Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern in Betracht.
„Der Gast will nicht für Dinge zahlen, die er nicht nutzt“, beschreibt Bowen den Impuls, der zum „focused Service“ geführt hat. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund 300 Mill. Übernachtungen gezählt. Etwa die Hälfte davon entfalle auf das mittlere, ein Viertel auf das Preissegment mit eingeschränktem Angebot, erläuterte Bowen. In die mittlere Preisklasse gehören Drei- und Vier-Sterne-Häuser mit durchschnittlichen Übernachtungspreisen zwischen 80 und 100 Euro. Dies sind sogenannte Full-Service-Hotels, für die ein eigenes Restaurant selbstverständlich ist.
Was für den Büro- und Wohnimmobilienmarkt gilt, gilt auch für die Hotellerie: Die Käufer kommen aus dem Ausland. Nur ein Viertel der Investoren seien Deutsche, hieß es in Hamburg. Nach Zahlen von Jones Lang Lasalle wechselten im ersten Halbjahr Hotels im Wert von 900 Mill. Euro in Deutschland den Besitzer. Hotel-Investoren werden die Budget-Hotellerie im Fokus behalten, erwartet Entwickler Deitermann. Beispiel aus jüngerer Zeit: Ein Morgan-Stanley-Fonds beteiligte sich mit 35 Prozent an der Motel One Management GmbH. Motel One versteht sich selbst als Anbieter im „Budget“ genannten Niedrigpreissegment – liegt in Angebot und Preis allerdings teils darüber. Den Grund für das Interesse am Niedrigpreissegment brachte Bowen auf den einfachen Nenner: „Je mehr Sterne, desto weniger Rendite“. Motel One hat nach eigenen Angaben zwei Sterne.
Von solchen Geldspritzen können Eigner kleiner Häuser nur träumen. „Kein Investor kauft ein 50-Betten-Haus“, stellte Martina Fidlschuster, geschäftsführende Gesellschafterin der Hotour Unternehmensberatung, fest.

Anglizismen statt Sterne

Sterne kümmern die internationalen Hotelketten wenig. Der Preis macht den Unterschied. Die Übergänge im Angebot sind fließend.

Low Budget Im Durchschnitt kostet die Nacht in einem solchen Hotel 29 Euro. Typischer Anbieter: ,,Formule 1″. Die Rezeption ist nur zeitweise besetzt, die Dusche auf dem Gang. Freie Zimmer sind vor Ort mit Kreditkarte buchbar. Budget Zimmer mit Dusche/WC für 39 Euro die Nacht – so etwa in den „Etap“-Häusern.

Limited Service Für 49 Euro die Nacht bekommen Geschäftsreisende eine höherwertigere Ausstattung als in einem Budget-Hotel – etwa ein wenig größere Zimmer geboten. „Motel One“ wirbt in diesem Segment mit mobilen Arbeitsplätzen in Zimmern der neueren Häuser.

Focused Service bieten die Marken „Hampton Inn“ und „Express by Holiday Inn“. In den „Express“-Häusern ist beispielsweise das Frühstück im Preis enthalten, der im Durchschnitt 59 Euro je Nacht beträgt.

Gelesen im „Handelsblatt“

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Sehr geehrte Damen und Herrn,

    ich vermarkte Renditeobjekte und Gemälde
    von Picasso,Goya uvm.
    habe ich ihr intresse geweckt,
    gerne höre ich von ihnen,

    Mit freundlichen Grüssen
    Norbert Bauer

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