Ein Roboter bringt die Getränke


Wie sieht das Hotel der Zukunft aus?

Das Fraunhofer-Institut in Duisburg stellt erste Ergebnisse seines Forschungsprojekts vor.

Alles dreht sich vollautomatisiert um den Gast – und spart trotzdem Geld.

Wenn es derzeit überhaupt etwas im Überfluss gibt, dann sind es schlechte Nachrichten. Bisweilen kann man den Eindruck haben, dass die Abteilung „Zukunft“ die erste gewesen ist, die den Laden in den vergangenen Wochen hat
dicht machen müssen. Wie überraschend optimistisch mutet da diese Meldung an: „Die globale Hotelbranche ist auf Wachstumskurs! Auch im deutschen Hotelmarkt nimmt die Investitionstätigkeit aufgrund der guten
konjunkturellen Situation wieder zu.“ Zu Papier gebracht hat diese Sätze die Stuttgarter Fraunhofer-Gesellschaft, Europas größte Einrichtung für angewandte Forschung. Sie stehen in der Projektbeschreibung „FutureHotel“.
Zusammen mit Wirtschaftsunternehmen möchten die Forscher das Hotel 2020 „vordenken“. Mag die Analyse der ökonomischen Ausgangslage auch von gestern sein, geht es dem Institut dabei um „zukunftsweisende Lösungen“ und
„Innovationsführerschaft“.

Vorläufig Form angenommen hat dieses Szenario im „InHaus 2“ auf dem Gelände der Duisburger Zweigstelle der Gesellschaft. Zukunftsoffen silbern glänzen hier die Sessel schon im Foyer. In den oberen Etagen sind die Laboratorien, in denen am Prototyp des „FutureHotel“ experimentiert wird.

Wie sieht die Zukunft des Gastgewerbes aus? Weiß und rund. So weiß wie die Gänge der Raumstation, die Stanley Kubrick einst in seinem Science Fiction Film „2001“ auf Odyssee in den Weltraum schickte. Statt durch ein einfaches
Fenster schauen Gäste durch etwas, das sich als Visier eines Helmes beschreiben lässt. Darauf kann bei Bedarf auch das filmische Unterhaltungsprogramm projiziert werden. Wirklich kantig ist hier nur das Bett. Doch das vermag weich zu schaukeln und den gestressten Gast sanft in den Schlaf wiegen.

Ohne großzügig verbaute Bildschirme kommt das Hotel der Zukunft natürlich nicht aus. Selbst im märchenhaft „Magic Mirror“ genannten Zimmerspiegel verbirgt sich ein Display. Die elegant abgetrennte Zone für Toilette und
Dusche soll in Zukunft nicht einfach nur Badezimmer heißen. Der Gast hat es mit einem „FutureSpa“ zu tun, das sich dank Infrarotstrahler in eine Sauna verwandeln lässt. Damit wäre auch ein kulturelles Problem gelöst: Aus
Erfahrung wissen deutsche Hoteliers, dass etwa japanische Gäste nachts gerne den Warmwasserhahn laufen lassen. So versuchen sie, ein bisschen schwüles Heimatklima zu erzeugen, weiß Projektleiterin Vanessa Borkmann.

Gestaltet hat den Zimmer-Prototyp das Stuttgarter Architekturbüro „LAVA“. „Erlebnisräume“ möchte dessen Geschäftsführer Tobias Wallisser kreieren, Räume, die nicht lange erklärt werden müssen und Technik unsichtbar
integrieren. Was aber hat es zu bedeuten, wenn Hotels in ein paar Jahren aussehen wie die Raumgleiter in alten Hollywood-Filmen? Führt der Weg zurück in die Zukunft? Angesichts der muffigen Kammern, die viele deutsche Hotels ihren Gästen häufig noch immer zumuten, muss ein derartiger Umweg nicht zwingend ein Rückschritt sein.

Unsichtbar sind auch die kleinen Sensoren, die in den „SensFloor“ genannten Boden eingearbeitet wurden. Sie geben über die Bewegung im Zimmer Auskunft geben. Das soll dem Komfort genauso wie der Sicherheit dienen. Denn Mithilfe
der ermittelten Bewegungsmuster ließen sich Eindringlinge erkennen, die durch das Fenster einsteigen. Dem Gast hingegen öffnen sich dank des feinfühligen Teppichs die Türen wie von Geisterhand.

Hinterlassen würde der Besucher in derartig technisch ausstaffierten Räumen nicht nur benutzte Bettwäsche und schmutzige Handtücher, sondern auch Daten. Zentral gespeicherte Informationen, die Auskunft über Gewohnheiten des „gläsernen Hotelgasts“ geben können. Doch dieser intelligente Boden wirft neben datenrechtlichen auch ganz praktische Probleme auf. So könnte plötzlich der Sanitätsservice an die Zimmertür klopfen, weil der Teppich
einen auf dem Boden liegenden Menschen meldet. Vielleicht möchte der sportliche Gast dort aber nur seine Bauchmuskeln trainieren?

An Stelle der Minibar hält im „FutureHotel“ ein behäbig daher rollender Service-Robotor Getränke bereit. Im Gegensatz zu manch anderer Spielerei ist diese mobile Lösung auch ein Beitrag zum schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen. Denn Minibars verbrauchen etwa zehn Prozent der Gesamtenergie eines Hotels.

Im „FutureHotel“ dreht sich alles vollautomatisiert um den Gast. Der Faktor „Mensch“ aber spielt im Zukunftskalkül der Fraunhofer-Tüftler eine kleinere Rolle als heute. Auffallend sparsam geht man mit dem Einsatz von Servicepersonal um. So sieht das Szenario vor, dass das Handy beim Check-in die Rezeption ersetzen könnte. Will der Gast das? „Wir haben in der Hotellerie einen großen Fachkräftemangel“, sagt Borkmann. „Wir müssen uns deshalb auch mit der Frage auseinandersetzen, wie sich angesichts dieses Problems ein gewisser Service aufrecht halten lässt.“ Im Hotel-Laboratorium geht es also nicht nur um die technische Auspolsterung der Komfort-Zone,
sondern auch um das auch in Zukunft aktuelle Thema der Kosteneinsparung.

Quelle: http://www.welt.de/wams_print/article2939659/Roboter-bringt-die-Getraenke.html
Von Andrej Klahn 28. Dezember 2008, 02:23 Uhr

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