Nur ein Gefühl von Luxus…


In Prag hat das erste Buddha-Bar-Hotel eröffnet – man zahlt dort eher für ein Gef ühl als f ür Luxus.

Ganz in Schwarz stehen die fünf Jungs in Reih und Glied wie angewurzelt da. Sie sind für die Garderobe zuständig, doch nicht einer von ihnen hilft dem Gast aus seinem Mantel, nimmt ihm Tasche oder Schirm ab. Schönheit vor Funktionalität – man kennt das ja inzwischen von den selbsternannten Sechs-Sterne-Häusern.

Ein Stockwerk tiefer wird die Eröffnung des ersten Buddha-Bar-Hotels der Welt gefeiert. 800 Gäste schieben ihre Körper aneinander vorbei. Viel zu stiernackige Männer protzen mit viel zu langbeinigen und viel zu blonden Frauen. Der Service tut sein Bestes im Gedränge. Nur einer hat genügend Platz. Für Buddha-Bar-Erfinder Raymond Visan wurde eine plüschige Nische reserviert: ein Foto hier, ein Küsschen dort, Schulterklopfen, Umarmungen. 1995 hatte der Pariser Rockertyp die Idee und eröffnete ein Jahr später in seiner Heimatstadt die erste Buddha-Bar. Entspannung unter den toleranten Augen eines Riesen-Buddha, lautet das Motto. Jetzt soll Buddha auch noch über den Schlaf wachen. „Eatertainment und Drinks, bequeme, tiefe Sessel, schummriges Licht und vor allem unsere von Discjockeys gemixte Lounge-Musik“, erklärt Visan sein erfolgreiches Konzept.
Es muss an der Mischung liegen, denn beim „Eatertainment“ schlägt keiner einen Purzelbaum. Nur die drei Meter hohe Buddha-Figur aus Fiberglas zum Preis eines Mercedes-S-Klasse-Wagens lächelt weise, während die Musik die Gäste in alle Welt entführt. „Die Leute kommen nicht nur, um zu essen. Sie wollen einen Abend ohne Ortswechsel genießen und dennoch kulinarisch und musikalisch von Prag nach Bangkok, Paris oder Antalya reisen“, meint der Buddha-Bar-Guru. Also nach dem Restaurantbesuch mit Khao Phad und Meze in die Bar wechseln, französischen Chablis oder ein Pilsener Urquell trinken und schließlich ins übergroße Kingsize-Bett mit handgefertigten Matratzen aus der Slowakei fallen. Die Party kann auch dort weitergehen. Im Hotelzimmer klickt man sich einfach die Live-Musik aus der Buddha-Bar ins Soundsystem von Bang & Olufsen.

Auch Allan Davis ist aus Paris angereist. Er greift in seinen CD-Koffer. 250 Silberlinge sind darin. Davis soll seinen tschechischen DJ-Kollegen die ersten sechs Monate den unverwechselbaren Buddha-Bar-Sound implantieren. „Gespielt wird jede im Klang passende ethnische Musik, von arabisch über griechisch, türkisch, französisch und latin bis asiatisch, besonders indisch“, sagt der DJ. „Es ist Musik, wie sie unsere Gäste sonst nirgends hören: eine besondere Art der Chill-out-Music.“ Dieser Klang hat die Buddha-Bars berühmt gemacht.

Raymond Visan lebt von dieser Idee und vergibt Lizenzen. Das Risiko tragen die Investoren. Der Standort Prag fürs erste Hotel war demnach keine gezielte Wahl, wie auch die Buddha-Bars in Beirut oder Dubai, in Kairo oder Kiew keine gezielte Wahl waren. Franchising heißt das Zauberwort, bei dem die Lukrativität des Investorenangebots entscheidet. Der Prager Entrepreneur Patrik Tkac konnte Visan davon überzeugen, dass zur Bar auch das passende Hotel gehöre. Da in Tschechien Religion keine große Rolle spielt, stehen der für die Kette kennzeichnende Drei-Meter-Buddha und zahlreiche kleinere Buddha-Varianten allein für Exotik und Abwechslung.

Im Hotel sind Garderobiers und Kellner schwarz gekleidet, so auch die Direktorin. Veronika Fajcikova managt die 39 Zimmer und Suiten. Die Räume sind in Braun, Dunkelrot und Schwarz gehalten – in einem wie in der Musik gewollten Stilmix aus arabischem Kronleuchter-Design und tschechischen Preziosen. Den Begriff Luxus vermeidet Fajcikova, auch wenn jeder Gast mit einer Limousine vom Flughafen abgeholt wird, was im Zimmerpreis von mehr als 400 Euro inkludiert ist.

Die Slowakin hat in diesem obersten Segment der Hotellerie noch keine Erfahrungen. Auch bei ihrem Personal legte sie mehr Wert auf das „Buddha-Bar-Gefühl“ als auf den Lebenslauf. Sie sagt: „Auf keinen Fall will ich dieses leere amerikanische Cheese-Lächeln in meinem Haus sehen. Bei einem Bewerber war der Lebenslauf aus Hotelsicht eine komplette Fehlanzeige, er hat mich dennoch überzeugt.“ Vielleicht ist der Mann ja unter den Garderobiers zu finden. Dann müsste die aus der Politik bekannte Hundert-Tage-Regel in Kraft treten. Solange gilt vielleicht dann auch der reduzierte Einführungspreis.

Buddha-Bar-Hotel Prag, Eröffnungsraten ab 275 Euro pro DZ mit Frühstück, www.buddha-bar-hotel.cz

Quelle: 12.02.2009, http://www.sueddeutsche.de/657380/511/2754736/Visans-Erleuchtung.html

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