NETZTEILE


Wer jetzt mit seinem Social Netzdings 2.0 nicht auf Geldverdienen umsteigt, er kann sich getrost noch ein .com vor oder hinter den Namen schreiben – wenn das Geld für das bisschen Tinte dann noch reicht. 2009 heißt es „Sehen lassen“ in den Bilanzbüchern. Das Pokern auf neue Medien ist vorüber.

2.0 ist 2009 nicht wirklich lustig. Jaaaaaaa, vor drei Jahren, da war alles am Gründen, hat sich Namen gegeben, die auf keinen Fall Vokale enthalten durften. Und alle sollten mitreden, egal über was. Dann rollte der Rubel nur so. Aus den USA, aus Europa, vor allem aus diversen Fonds, die jetzt ärmer sind als Staaten im Nordmeer. Und nun haben alle mitgeredet. Das meiste davon war Stuss, okay, aber sie haben brav getan, was man von ihnen verlangt hat. Und was passiert? Die Gelder bleiben jetzt aus, die bunten Logos, Luftballone und Partys kosten Geld, und irgendwann will der freundliche Business-Angel eben dieses Geld auf der anderen Tabellenseite sehen, sonst muss er mit dem Feuerschwert dazwischen.

Also machen jetzt alle den Hahn zu, und Web 3.0 heißt vermutlich „Ich könnt mitreden, aber nur gegen Bares.“ Die Gerüchte über Twitter mehren sich, dass man nicht nur 140 Zeichen, sondern auch Cash rüberwandern sehen will. Wenn man einer Firma angehört. Nachrichten wie „Ich liebe es“ eines Buletten-Magnaten haben vermutlich einen konkreteren kommerziellen Hintergrund als „@Bullette Ich liebe Dich“ und sollen deshalb dafür auch löhnen.

380.000 neue User pro Tag lassen in weniger als einem Monat ganz Österreich in Skype unterkommen. Keine Ahnung, ob die deshalb auch miteinander zu reden anfangen würden. Aber Skype hofft, dass sie sich ein kleines Guthaben anlegen, um auch einmal mit der Tante in Australien zu telefonieren. Dann könnten man den anderen Hofern ihren Gratis-Chat lassen.

Das heißt aber nicht, dass das alles hier eine einfache Nummer ist. Twitter braucht noch jahrelang keinen Business-Plan. Nicht, weil so viel Geld hereinkommt, dass man nicht mehr genügend Fenster findet, um es wieder heraus zu werfen. Nein, das ist weiterhin Microsoft und seinen 10.000 Patenten überlassen. Nein, Twitter verdient einfach kein Geld bisher.

Und es wird nicht leicht werden, selbst für die Giganten des Business, das einfach nur deshalb zu tun, weil man es will. Jeder der das nicht glaubt, soll sich einfach einmal heute auf die Straße stellen und „Ich will Geld verdienen“ in die Landschaft brüllen. Außer einem unterdrückten „Sauber“ oder einem „Das ist neu, das ist unverbraucht“ wird da vermutlich nichts zurückkommen. Aber weil genau alle „wollen“ mit „verdienen“ verwechseln, fangen sie schon einmal damit an, unfreundlicher zu werden.

Das macht man eben so, im Business. YouTube knipst alle Download-Tools aus und Facebook muss NOCH gezwungenermaßen alte Daten löschen, aber bald starten sie einen neuen Versuch und wollen reich werdendamit.

Ja, 2009 wird nicht lustig, wenn es ums Geldverdienen geht. Wer weiß, was Flickr mit all den Bildern machen will, und wie lange wird Google noch kostenlos sein, wenn wir nicht alle brav immer wieder auf die Werbung klicken. Aber wenn dann 2010 erst einmal alle erfolgreichen 2.0-Sites überlebt haben, dann werden wir tolle Marketing-Aktionen erleben und überlegen, ob wir vielleicht wieder dazu übergehen, Bilder in Fotoalben zu kleben und Freunde einfach anzurufen. Mit dem Telefon. Das könnte dann längst billiger sein als Surfen und Skypen.

Quelle: 21.02.2009 ORF.at  http://futurezone.orf.at/stories/1502713/
Autor:Harald Taglinger

Ein Gedanke zu „NETZTEILE

  1. Ich bin mir sicher, dass das Web 2.0 Zukunft hat. Sicher ist es richtig, dass die einzelnen Betreiber wie facebook immer wieder versuchen werden, ihr Angebot zu mehr Geld zu machen.
    Aber der zentrale Gesichtspunkt des Webs 2.0 ist, dass in großem Ausmaß unbezahlte Arbeit von den NutzerInnen geleistet wird – bestes Beispiel ist hier sicher Wikipedia.
    Auf diese „gratis“ erstellten Inhalte wird gerne zugegriffen und dieses Potential wird sicher erhalten bleiben, auch wenn sich die Nutzungsbedingungen verändern/verschlechtern.
    Es geht dabei um den Blick auf das Ganze, dass sich aus den einzelnen Teilen zusammensetzt.
    Und bei entsprechender Kreativität läßt sich das Web 2.0 auch zu Geld machen.

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