Web-Veröffentlichungen wider Willen


BeschimpfungImmer mehr Suchmaschinenanbieter spezialisieren sich auf das Finden von Personendaten und erfreuen sich auch in Österreich immer größerer Beliebtheit.

Doch nicht jeder ist erfreut darüber, was dann alles an persönlichen Informationen in den Weiten des world wide web allgemein zugänglich gemacht wird. Und dann stellt sich die Frage, ob und wie man die ungezügelte Verbreitung von einmal Preisgegebenem unterbinden kann?

Bezeichnung ‚bissig‘ ist gestanden

Durch einen Hinweis eines Bekannten erfuhr Gertraud K., dass über sie einiges im 123people-Internetangebot zu finden ist: „Und hab dann dort gesehen, dass nicht nur ein Foto von mir drinnen ist, Telefonnummern, Biographie, dass sämtliche Leserbriefe, die ich an Zeitungen geschrieben habe, dort veröffentlich werden, meine Einkäufe bei Amazon, das war so ein Ratgeber und es ist genau der Titel drinnen gestanden.“

Auch fand Frau K. ihre Einträge in Unterschriftenlisten aufgelistet und was sie am meisten ärgerte, war die sogenannte Begriffswolke, die aus Stichwörtern aller Daten besteht: „Und dabei ist dann auch noch die Bezeichnung ‚bissig‘ gestanden.“ Weil Frau K. vor eineinhalb Jahren in einem Blogg, wo sie einen Kommentar abgegeben hatte, von einem anderen User so bezeichnet worden war. „Und diese Beschimpfung fand sich dann in dieser Wolke wieder.“

Angewiesen auf AGB

Frau K wandte sich an help und wollte wissen, ob sie etwas gegen diese Datenveröffentlichung unternehmen kann. AK-Datenschutzexpertin Daniela Zimmer erklärt, dass Suchmaschinen nur Vermittler solcher Informationen sind, weshalb sie Verbrauchern rät, bereits auf der „Original-Website“ vorsichtig zu sein:

„Alles im allem gilt daher bereits an der Quelle zu überlegen, ob man Daten preisgibt, weil sozusagen das Einfangen von Daten, die einmal den Weg ins Netz gefunden haben, kann hinterher aus technischen und aus rechtlichen Gründen sehr schwierig sein.“

Gegen herabwürdigende Eintragungen „Dritter“ kann man gegebenenfalls in zivilrechtlicher Form vorgehen. Will man einen selbst verfassten Eintrag, also einen abgegebenen Kommentar oder Sonstiges gelöscht haben, dann ist man auf die Geschäftsbedingungen des Seitenanbieters angewiesen:

„Manche Anbieter sehen in einem bestimmten Umfang Anonymisierung ? oder Löschungsansprüche vor. In diesem Fall kann man sich auch darauf stützen und das auch durchsetzen.“

Österreichische Datenschutzgesetz

Fehlt es aber an einer solchen Vereinbarung wird es für den Betroffenenschwieriger. Erst recht wenn der Anbieter nicht in der EU ansässig ist. Allgemein kann man nach dem österreichischen Datenschutzgesetz auf das Widerspruchsrecht verweisen:

„Es ist zwar so, dass veröffentlichte Daten einen geringen Datenschutz genießen, schutzwürdige Geheimhaltungsinteressen, gelten in der Regel nicht verletzt, wenn Daten zulässig veröffentlich worden sind im Internet. Das Widerspruchsrecht nach dem Datenschutzgesetz bleibt allerdings unberührt. So kann man zum Beispiel bei der Verletzung überwiegender berechtigter Geheimhaltungsinteressen durchaus sein Widerspruchsrecht gegenüber Interneteinträgen geltend machen.“

Das hat auch Frau K. gegenüber 123people getan:

„Und zwei Tage später habe ich dann nochmals nachgeschaut und hab festgestellt, dass diese Daten alle gelöscht waren.“ Und künftig wird Gertraud K. genau darauf achten, was sie ins Internet stellt und was über sie geschrieben wird.

Quelle: 09.05.2009, http://help.orf.at/

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Silvia sagt:

    Bei Amazon zum Beispiel würde man ja nie erwarten, dass man da in irgendeiner Art und Weise vorsichtig sein müsste mit dem Herausgeben der Daten. Die Frage ist doch, wie diese Suchseiten dann an solche Infos kommen. Ich finde es wirklich schlimm, wie durchsichtig wir mittlerweile geworden sind.

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