Berlin will Hotels zu Quarantäne-Stationen umwandeln


DEU SchweinegrippeBerlins Bezirke bereiten sich wegen der Schweinegrippe intensiv auf mögliche Masseninfektionen während der Leichathletik-Weltmeisterschaften vor. Nun gibt es Forderungen, Hotels als Quarantäne-Stationen zu nutzen. Das Gesundheitsamt Mitte redet bereits mit den Hotelbetreibern über Details.

In Mitte ist neben Charlottenburg am stärksten an den Vorbereitungen der Leichtathletik-WM beteiligt. „Sieben Achtel der Sportler sind in Hotels in Mitte untergebracht“, sagte der Hygiene-Referent des Gesundheitsamtes, Michael Gaier. Spezielle Quarantäne-Einrichtungen hält er für unnötig: „Es reicht, wenn infizierte Sportler sich sieben Tage von den anderen fernhalten.“ Die Sportler sollten dann nicht mit den anderen gemeinsam duschen oder essen, sondern in ihrem Hotelzimmer bleiben. Ärztlich betreut und untersucht würden alle Sportler von ihrem jeweiligen Mannschaftsarzt. Das Gesundheitsamt Mitte rede bereits jetzt mit den Hotelbetreibern über Detailfragen, um eventuell bevorstehende Isolierungen von Kranken in Einzelzimmern vorzubereiten. Ein erhöhtes Ansteckungsrisiko für das Hotelpersonal sieht Gaier nicht. Für Touristen und deren Isolierung im Krankheitsfall sei das Amt dagegen nicht zuständig, so der Hygiene-Experte.

Die Bürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Monika Thiemen, plädiert dafür, freie Hotels als Quarantäne-Stationen einzurichten, wenn die Infizierten aus ihren Unterkünften auschecken müssen. Bisher gab es Planungen, die Infizierten in Krankenhäusern unterzubringen. „Wir werden als Bezirk an die Senatsverwaltung herantreten, um im Notfall Hotel-Quartiere für erkrankte Touristen einzurichten, die nicht in ihr Heimatland zurückreisen können.“ Schließlich könne man nicht davon ausgehen, dass einzelne Hotelbetreiber oder andere Hotelgäste angesichts infizierter Personen nicht in Panik gerieten. „Außerdem sind die Zimmer möglicherweise schon von weiteren Gästen gebucht, so dass eine Verlängerung des Aufenthaltes im Krankheitsfall nicht gewährleistet ist.“ Das Touristenproblem betrifft auch die deutschen Leichtathletik-Fans, die nach Berlin reisen. „Mit dem Zug nach Hause zu fahren, ist dann schlecht“, macht Thiemen klar. Denn die empfohlenen sieben Tage Isolation sollte jeder Schweinegrippe-Patient einhalten. „Dieses Problem sollte zentral vom Senat geregelt werden“, forderte Thiemen. Denn die zur WM angereisten Touristen werden über Berlin verstreut sein. Thiemen hält es für realistisch, in Hotels oder Pensionen Unterkünfte für Erkrankte ohne Bleibe zu schaffen. Krankenhausbetten zu buchen, sei zu teuer. „Wir können von behördlicher Seite aber auch nicht einfach Hotelzimmer buchen, dazu haben wir keine finanziellen Mittel“, sagte Thiemen.

Die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit erarbeitet in enger Absprache mit den Bezirken Charlottenburg und Mitte einen Maßnahme-Plan zur Unterbringung infizierter Athleten und Touristen. Momentan besteht laut Senat auch kein Anlass, über die Schließung von Schulen oder anderen öffentlicher Einrichtungen nachzudenken, sagte die Sprecherin der Gesundheitsverwaltung, Regina Kneiding. Zwar sei denkbar, dass es in Einzelfällen zu Schulen geschlossen würde, um eine weitere Ausbreitung des H1N1-Virus einzudämmen. Aber erst im unwahrscheinlichen Fall einer Erkrankungsrate von 30 Prozent der Bevölkerung stehe eine Einschränkung des öffentlichen Lebens überhaupt zur Debatte. Ob Lehrer zu der Personengruppe gehören werden, die auf jeden Fall gegen Schweinegrippe geimpft werden sollen, entscheidet die Bundesregierung am 12. August. „In der bisherigen Aufstellung sind Lehrer nicht vorgesehen“, sagte Kneiding. Marianne Demmer, Vize-Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sagte: „Lehrern und Erzieher kostenfreie Impfungen anzubieten, sollte selbstverständlich sein.

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Morgenpost Online

Quelle: 03.08.2009, Silke Kehl

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