Ein Hotel auf dem Öko-Trip


boutiquehotel-stadthalle-wienDas Wiener Boutique-Hotel Stadthalle wird bald genauso viel Energie erzeugen wie verbrauchen – eine Weltpremiere.

Das umgebaute Boutique-Hotel in der Wiener Hackengasse 20, die Baustelle für den Passivhaus-Anbau – und auf Rosen und Lavendel, den Gründach-Bewuchs, der für ein angenehmes Klima im Gästebereich sorgt. Unter ebener Erd‘ sammelt die Hoteldirektorin Regenwasser; in zehn Mal eintausend Liter Zisternen zur Bewässerung des hoteleigenen Gartens – Pflanzenliebhaberin eben. Und für die Klospülung, weil ihr Trinkwasser dafür zu schade ist.

„Ich bin keine Öko-Fanatikerin“, sagt Reitterer: „Ich setze mich aus Überzeugung mit viel Energie für null Energie ein.“

Zwischen Westbahnhof und Stadthalle entsteht Wiens erster Hotelkomplex mit ausgeglichener Energie-Bilanz. „Weil jeder seinen Beitrag leisten kann.“ Vor Kurzem war Dachgleiche. Im Herbst sollen die 38 neuen Zimmer im Zubau fertig sein. Dann wird das Drei-Stern-Hotel genauso viel Energie gewinnen wie verbrauchen. Schon jetzt tragen die 44 Zimmer im alten Bau das europäische Umweltzeichen „EU-Flower“.

2001 kaufte die geschäftstüchtige Umweltschützerin das ehemalige Zinshaus ihren Eltern ab. 2002 begann sie mit dem Umbau des Hotels, ließ Photovoltaikzellen zur Stromgewinnung anbringen und Sonnenkollektoren zur Warmwasseraufbereitung installieren, stellte die Regenwasser-Kanister in den Keller.

Für den Neubau daneben, Spatenstich 2008, perfektionierte sie das Konzept: Die schmucklose Fassade bekommt eine Passivhaushülle. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung schafft – unterstützt durch eine tiefengeborte Wärmewasserpumpe – angemessene Innenraum-Temperaturen. „Meine Mitarbeiter müssen keine Unterwäsche von glücklichen Schafen tragen“, scherzt die lebenslustige Mittvierzigerin, die auch ihre beiden (mittlerweile erwachsenen) Kinder zu gewissenhaften Mülltrennern erzogen hat. Der Neubau wird einheitlich gestylt.

Im Moment kämpft Reitterer um die Genehmigung von vier Windrädern auf dem Dach. Die leisen Miniquirl sollen auch in der Nacht Ökostrom erzeugen. „Im neuen Haus verwenden wir nur Leuchtdioden. Das bringt gerade in einem Hotel mit vielen Lichtquellen große Einsparungen. Man muss nur die Farben der Wände anpassen“, sagt die Frau mit dem sicheren Geschmack. Im alten Haus trägt jedes Zimmer – Einzelzimmer ab 79 € pro Nacht – ihre Handschrift. In Zimmer 203 hat sie hineingestellt, was einstige Hausbewohner an Möbeln zurückgelassen haben – Engerlbild inklusive.

„Wir sind kein Bio-Öko-Hotel. Sondern wir gehen verantwortungsvoll mit der Umwelt um und nützen aus, was ohnehin da ist, Wind und Sonne, Brunnen- und Regenwasser“, sagt Reitterer: „Wir bleiben bewusst eines der besten Drei-Stern-Hotels der Stadt.“ Bewusst ohne Minibar im Zimmer, weil Kühlschränke unglaubliche Stromfresser sind. Und nicht zuletzt den Blumen zuliebe.

Quelle: 31.07.2009, Kurier.at

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