MDR-Umschau überprüft Preissuchmaschinen für Pauschalreisen


Internetreiseportale ermitteln nicht immer den günstigsten Preis

Internetreiseportale ermitteln nicht immer den günstigsten PreisInternetreiseportale halten nicht das, was sie versprechen. Sie ermitteln nicht immer den günstigsten Preis für Pauschalreisen. Das ergaben Recherchen des MDR-Magazins Umschau. Untersucht wurden die beiden Marktführer bei den Preissuchmaschinen für Pauschalreisen Expedia und Holidaycheck. Die Überprüfung ergab, dass viele der erstellten Preisvergleichrankings nutzlos sind. Ein Grund dafür ist, dass nicht die wirklich günstigen Angebote die Liste anführten, sondern Lockvogelangebote. Die haben sich im Buchungsverlauf teilweise erheblich verteuert. Aus der Sicht der Verbraucherschützer ist das unzulässig und damit abmahnfähig. Zudem führt eine fehlende Systematik bei Kinderrabatten zu fehlerhaften Rankings und zu überteuerten Einzelpreisen für Kinder. Beim Check wurde auch festgestellt, dass Reisen direkt bei den Veranstaltern mitunter günstiger angeboten werden, als bei den Internetpreisvergleichsportalen. In einigen Fällen gab es den günstigsten Reisepreis, wenn man direkt beim Hotelbetreiber und bei der Fluggesellschaft bucht.

Im Test entpuppten sich viele günstige Preise als Lockvogelangebote, die eine neue Reihe zur Folge hatten und damit das anfängliche Ranking nutzlos gemacht hatten. So hat sich beispielsweise der günstigste Reisepreis für eine Spanienreise (Pauschalreise, zwei Erwachsene, 21 Tage, Januar 2011, Teneriffa, Hotel „Sol Puerto Playa“) von „HCX Lastminute“ innerhalb weniger Sekunden bei der Buchung von 916 auf 2.180 Euro pro Person erhöht, ohne dass weitere Leistungen dazukamen. Damit rutschte das Angebot in der Liste von Holidaycheck in den teueren Bereich und andere Anbieter, die auf den ersten Blick teuer erschienen, waren günstiger. Bei der Recherche fiel auf, dass bis zum nächsten Tag die teureren Preise bei Holidaycheck ausgewiesen worden sind, jedoch dann wieder die sehr günstigen Lockvogelangebote.

Dem Chef von Holidaycheck Axel Jockwer sind diese Tricks bekannt. „Wenn einzelne Preise falsch dargestellt werden, dann ist das ein Fehler der Reiseveranstalter, der uns in unser Reservierungssystem übermittelt wird. Das können wir dann nicht anders bei uns darstellen“, erklärt er und schiebt damit die Schuld auf die Reiseveranstalter. Aus der Sicht der Verbraucherschützer sind aber Veranstalter und Reiseportal dafür verantwortlich. Kerstin Hoppe, Bundesverband Verbraucherzentrale, sagt: „Das ist eine wettbewerbswidrige Lockvogelwerbung. Wenn man das belegen kann, kann man das auch abmahnen. Nach einer Abmahnung muss diese Praxis abgestellt werden. Passiert das nicht, könnte man den Anbieter verklagen. Und dann kann auch ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro verhängt werden.“

Bei der Recherche der Reisen mit Kindern war auffällig, dass in einigen Fällen Kinderrabatte nicht berücksichtigt wurden. Auf der Suche nach einer Spanienreise für zwei Erwachsene und ein zweijähriges Kind (Pauschalreise 21 Tage, Mitte Januar 2011, Teneriffa, Hotel „Luz del mar“) präsentierte Holidaycheck als günstigstes Angebot die Offerte des Veranstalters „Jahn-Reisen“. Pro Person sollte sie 2.094 Euro kosten. Im Verlauf der Buchung zeigte das Portal einen Gesamtpreis 6.933 Euro an. Das ist mehr als das dreifache des Erwachsenenpreises. Das heißt, für das Kind sollen die Reisenden zum Preis eines Erwachsenen von 2.094 Euro noch zusätzlich einen Aufschlag von 651 Euro zahlen. Und dass, obwohl die schriftliche Auskunft des Hotel „Luz del mar“ belegt, dass der Aufenthalt für das Kind sogar kostenlos ist. Reiseanfragen mit Kindern sind für Portale wie Holidaycheck ein Problem, das ist in der Branche kein Geheimnis. Axel Jockwer von Holidaycheck stellt fest: „Die Preise für Reisen mit Kindern sind nur schwer vergleichbar, weil Veranstalter auf unterschiedliche Art oder gar nicht die Kinderrabatte ausweisen.“ Die Recherchen haben gezeigt, dass bei einigen Veranstaltern Kinderrabatte nicht von vornherein in die Preise kalkuliert werden, sondern erst bei einer Buchungsanfrage. So kann es passieren, dass der angefragte Preis höher oder niedriger ausfällt und letztlich an einer anderen Stelle im Ranking auftaucht. So ist auch dieser Preisvergleichsüberblick für den Kunden wertlos.

Hat man dann trotz fehlerhaft erstellten Ranking den günstigsten Anbieter gefunden, kann man immer noch nicht sicher sein, das wirklich niedrigste Angebot gefunden zuhaben. Die oben beschriebene Reise für zwei Erwachsene und ein Kind auf die spanische Insel ins Hotel „Luz del mar“ sollte bei Holidaycheck insgesamt 6.933 Euro kosten. Beim Veranstalter „Jahn-Reisen“ wird die Reise 970 Euro günstiger, nämlich für 5.963 Euro angeboten. Aus der Sicht des Holidaycheck-Chefs darf das nicht sein und ist Vertragsbruch. Sein Unternehmen habe mit den Reiseveranstaltern vereinbart, dass sie die Reisen selbst nicht billiger anbieten dürften als Holidaycheck, so Axel Jockwer. Den wirklich günstigsten Preis für diese Reise konnte man erzielen, wenn man den Flug und das Hotel direkt beim Anbieter bucht. In diesem Fall hätte es insgesamt nur 5.511 Euro gekostet, also 1.422 Euro (21 Prozent) weniger als bei Holidaycheck.

Bei der Recherche wurden im Zeitraum 13.09. bis 04.10.2010 über 100 Reisen bei Holidaycheck und Expedia überprüft.

Quelle: 05.10.2010, MDR-Magazin Umschau
www.mdr-umschau.de

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