Hoteliers müssen sich stärker übers Internet vermarkten…


Expedia.deDie diesjährige Sommersaison brachte den heimischen Touristikern das beste Ergebnis seit 15 Jahren: Die Nächtigungen legten gegenüber dem Sommer des Vorjahres um 1,3 Prozent auf 62,5 Millionen zu. Besonders das bisher beste Nächtigungsergebnis im Oktober trug zum Plus bei.

Die Gästeanzahl kletterte von Mai bis Ende Oktober mit 17,9 Millionen Gästen sogar auf ein Allzeithoch, wie am Mittwoch veröffentlichte Daten der Statistik Austria zeigen. „Sehr zufrieden“ mit dem Ergebnis zeigt sich Johann Schenner, Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich.

Das gute Ergebnis dürfe aber nicht über die angespannte Ertragslage im Tourismus hinwegtäuschen, betonte Schenner. Die Zimmerpreise wurden seiner Einschätzung nach höchstens um ein bis zwei Prozent angehoben, auch im nächsten Jahr erwartet er keinen Preissprung.

Den Hoteliers sind vor allem Preisvergleichsportale im Internet ein Dorn im Auge, weil sie laut Sepp Schellhorn, dem Präsidenten der Österreichischen Hoteliersvereinigung (ÖHV), die Preise drücken. Die Portale wie HRS und Expedia gewinnen zunehmend an Bedeutung und verlangen Provisionen, deshalb will der ÖHV direkte Buchungen über die eigene Website ankurbeln.

„Das Internet wird immer mehr zum Vertriebskanal Nummer eins im Tourismus“, so Schellhorn beim Tourismusgipfel in Obergurgl. 28 Prozent der Hotelbuchungen werden laut einer ÖHV-Erhebung online getätigt, bis 2015 sollen es sogar 48 Prozent sein.

„Hotels müssen gefunden werden, guten Content bereitstellen und einfach buchbar sein“, sagte Markus Kienberger, Industry Head von Google Austria. Nur 50 Prozent der Hotels in Österreich sind allerdings direkt auf der Webseite buchbar, beim Rest sind nur Anfragen per E-Mail oder telefonisch möglich. Ziel der ÖHV ist, dass 2015 mehr als 70 Prozent der Hotels direkt buchbar sind. „Wir sind großartige Gastgeber, aber ganz schlechte Verkäufer“, sagte Schellhorn.

Soziale Netzwerke wie Facebook stärken die Beziehung zum Gast, bringen aber wenige direkte Buchungen, so Schellhorn. Boris Nemsic, Ex-Chef der Telekom Austria und bis Juni 2010 Chef des russische Telekomkonzerns Vimpelcom, betonte die Bedeutung sozialer Netzwerke: „Manche Konsumenten sind zu faul zum Suchen und wollen, dass Freunde ein Hotel empfehlen“, sagte Nemsic.

Die Chancen durch Internet und Smartphones für den Verkauf im Tourismus betonte Kienberger. Durch Suchmaschinen habe man das Ohr stärker beim Kunden. „Man muss die Perspektive des Konsumenten einnehmen“, so Kienberger. Die Kunden würden nicht nach Regionen, sondern nach Themen suchen, also wären Themenportale – etwa zu Mountainbike-Urlaub oder Familienurlaub in den Alpen – eine gute Lösung.

Ein Hindernis bei der Umsetzung von gemeinsamen Portalen ist aber oft die mangelnde Bereitschaft zur Kooperation, weil viele Hoteliers in den Orten lieber gegeneinander statt miteinander arbeiten: „Leider regiert oft Neid und Geiz unter den Hoteliers“, sagt der Ötztaler Hotelier Lukas Scheiber.

Wie die detaillierte Auswertung der Sommersaison im Tourismus ergab, verzeichnete Wien den stärksten Zuwachs, für das Minus in Oberösterreich und Kärnten macht Schenner schlechtes Wetter verantwortlich. Zudem gebe Kärnten seiner Ansicht nach nicht so viel Geld für Infrastruktur aus.

Erstmals übersprang die Zahl der Inländernächtigungen die 20-Millionenmarke. Die Zahl der Nächtigungen von ausländischen Gästen legte um 1,2 Prozent zu. Leichte Rückgänge bei den wichtigsten Herkunftsmärkten Deutschland und Niederlande „wurden mit neuen Ländern abgefedert“, so Schenner. Besonders die Russen sorgten mit einem Nächtigungszuwachs von 35 Prozent für ein Plus, aber auch bei den US-Amerikanern, Schweden und Briten gab es zweistellige Zuwächse.

Quelle: 24.11.2010, Wiener Zeitung

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