Hotelboom: Wird Wien zum neuen Dorado der Schnäppchenjäger?


166,50 Euro – so viel hätte das billigste Fünfstern-Doppelzimmer in Wien vergangene Nacht gekostet. An solche Internet-Schnäppchen könnten sich die regulären Preise der Wiener Hotels in den nächsten Jahren annähern. Die Hoteliers fürchten einen wachsenden Preisdruck durch die zahlreichen Neubauprojekte.

Der Hauptgrund dafür: Die Zimmerauslastung ist in den Krisenjahren deutlich eingebrochen, sagt Michaela Reitterer, die Landesvorsitzende der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). Im Europa-Vergleich sei ein Hotelbett in Wien oft zum Schnäppchenpreis zu haben.

In den kommenden Jahren werde die Auslastung wieder steigen, prognostiziert eine Studie des Beratungsunternehmens Christie+Co. im Auftrag der ÖHV. Aber zahlreiche neue Hotels drängen auf den Markt. Derzeit wird in Wien an 14 Hotels mit knapp 2500 Zimmern gebaut, die bis 2012 eröffnet werden sollen. Darunter klingende Namen: Noch heuer eröffnen das Sofitel, das Ramada Hotel und das Fleming’s Deluxe Hotel. Anfang 2011 soll das Shangri La aufsperren.

Außerdem wird derzeit an weiteren 14 Projekten geplant, die bis 2013 eröffnet werden sollen. Sperren alle diese Herbergen tatsächlich auf, wächst das Zimmerangebot bis 2013 (im Vergleich zu 2009) um 17 Prozent. Pro Jahr wäre das ein Plus von vier Prozent. In den vergangenen zehn Jahren lag das jährliche Plus bei 2,5 Prozent. Nun drängen vor allem internationale Ketten nach Wien.

Besonders die teuerste und die billigste Kategorie stehen vor einem radikalen Wandel. In absoluten Zahlen sind die stärksten Zuwächse im Drei- und Viersternsegment zu verzeichnen. Relativ gesehen aber wächst das Angebot bis 2013 im Bereich Budgethotels (plus 36 Prozent) und Luxushotels (plus 28 Prozent) am deutlichsten.

In der Budgetkategorie mit einem oder zwei Sternen eröffnet heuer noch das Etap Wien Messe, 2011 sperren laut Plan das Wombat’s the Naschmarkt und das Motel One beim Westbahnhof auf.

„Dreisternhotels werden den Preisdruck besonders zu spüren bekommen. Auch bei Viersternhotels kann der steigende Wettbewerb den Preis unter Druck setzen“, meint Lukas Hochedlinger von Christie+Co. Häuser in schlechteren Lagen, in die in den vergangenen Jahren wenig investiert wurde, werden leiden. Der Druck auf Einzelbetriebe werde wachsen, „es wird zu einer Marktbereinigung kommen“, sagt Hochedlinger.

Die ÖHV stellt nun infrage, ob es sinnvoll ist, dass noch mehr internationale Hotels öffentlich angeworben werden. Die Strategie, die zusätzlichen Betten zu füllen, ist klar: Internationalisierung. Denn der Zuwachs werde künftig etwa aus Asien, nicht aus Irland oder Portugal kommen, sagt Reitterer. Dazu fordert die ÖHV unter anderem einen einfacheren Zugang zu Touristenvisa und Investitionen in die Infrastruktur – etwa in eine dritte Piste auf dem Flughafen.

Quelle: 24.11.2010, Die Presse

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