Interview mit Expedia-Chef Andreas Nau: „Wir dürfen nie Panik haben!“


Der ehemalige TUI-Manager Andreas Nau, Zentraleuropa-Chef des Online-Reisebüros Expedia, berichtet über dessen Strategie zwischen Transparenz und Datensammeln – und wie man sich gegen Konkurrenz wie Google rüstet!

Andreas Nau nimmt Stellung zu Airbnb:
„Die Sharing Economy wird immer größer, aber Airbnb wird überbewertet. Es ist Teil des Markts, nimmt in einigen Orten auch Marktanteil weg, aber nicht auf unserem Niveau. Unsere Übernahme des Ferienwohnungsportals Homeaway mit einer Million Wohnungen und der deutschen Tochter Fewo-direkt ist die erste Antwort darauf.“

Was hält Expedia dem sonst entgegen?
Langzeitvision ist eine Plattform, auf der man von Flug über Hotel bis hin zur Ferienwohnung alles findet und wie bei Amazon auf einmal buchen kann. Derzeit hat man im Reisebereich unterschiedliche Suchfenster. Wir versuchen, das aufzubrechen. Im Sommer starten die ersten Features.

Glauben Sie, Sie sind damit fit für die Ansprüche der Jungen?
Wir hatten die Gefahr, in die Old Internet Economy abzudriften. Als ich vor vier Jahren angetreten bin, war gerade alles auf dem Rückzug, da die Plattformentwürfe gescheitert sind. Heute funktionieren die Kernthemen wieder, der strategische Fokus liegt auf Mobil: 40 Prozent der Suchen laufen in Österreich schon über mobile Geräte. Das braucht ein Umdenken hin zu sehr flexibler Technologie. Früher hatten Reiseseiten Tausende Filter. Heute muss der Kunde das Gewünschte auf einen Blick finden.

Wie stellt man das an?
Wir müssen mehr über den Kunden wissen. Dafür forcieren wir das Thema Loyalität – „Eingeloggt sein“. Je besser wir die Vorlieben des Kunden kennen, desto individuellere Angebote können wir ausspielen. Das braucht viel Geld und Tests. Wir sind noch nicht annähernd dort, wo wir hinwollen.

Das Durchleuchten des Kunden ist ein zweischneidiges Schwert.
Ohne Frage. Aber unsere Befragung unter Millennials (der Generation, die im Zeitraum von etwa 1980 bis 1999 geboren wurde, Anm.) zeigt, dass die Mehrheit im deutschsprachigen Raum einverstanden ist, wenn ihre Daten für gute Dienstleistungen benützt werden. Individuelle Werbung darf auch nicht missverstanden werden. Das heißt nicht, dass man einen Kunden nimmt und sein Konto ausspäht. Sondern man sucht und bündelt Profile wie das dieses Kunden – millionenfach auf der Welt.

Österreichs Hoteliers drohen Ihrem Konkurrenten Booking.com zurzeit mit einer Klage wegen seiner Bestpreisklausel. Beunruhigt?
Großes Thema. Für uns es ist ein Problem, wenn wir als Marktplatz dem Kunden nicht den besten Preis weitergeben können. Und wir glauben, dass der Hotelier, wenn er bei uns einen höheren Preis einstellen würde, sich langfristig selbst ins Bein schießt, weil er dann in der Suche automatisch schlechter gereiht wird. Es gibt auch unsere Art von Bestpreisklausel. Diese wurde noch nicht angefochten.

Wie viel müssen Österreichs Hoteliers Ihnen von ihrem Gewinn abgeben?
Rund 13 bis maximal 25 Prozent. In den Alpenregionen mussten wir unser Geschäftsmodell komplett ändern. In St. Anton brauchen sie kein Expedia. Dort bringt man, um den Fuß in der Tür zu halten, internationale Kunden als Mehrwert.

Die Preisvergleich-Seite Trivago ist eine Tochter von Expedia. Solchen Seiten wird ja oft vorgeworfen, die Preise bei längerer Suche zu erhöhen.
Preise gehen bei uns hinauf, wenn Hotels oder Airlines gewisse Kapazitäten erreichen. Booking.com und wir sind übertransparent, natürlich passieren Fehler, aber nie absichtlich. Ich kann nicht für alle Konkurrenten sprechen. Eine Firma aus Ostdeutschland setzt unglaublich viele Tricks ein – immer am Limit. Versteckte Gebühren und solche Methoden ziehen die ganze Branche hinunter.

Was machen Sie, um sich von den schwarzen Schafen abzuheben?
Ein Großteil unserer Investitionen fließt in Transparenz. Flüge sind ein Thema, bei dem der Kunde nicht mehr durchblickt. Es gibt so viele Preisklassen und Portale. Wir bauen gerade mit den Airlines an einer Seite, die alle Kosten aufschlüsselt.

Werden Internetriesen wie Google und Amazon für Expedia zur nächsten Bedrohung?
Wir dürfen nie Panik haben. Wir haben 3000 Entwickler und 400 Datenanalysten. Google hat im Reisebereich 200 Entwickler. Wenn wir das Verhältnis beibehalten, schaffen wir es. Und unser Ziel ist es, nicht nur eine Buchungsmaschine zu sein, sondern bei der Phase anzusetzen, in der sich der Kunde für ein Reiseziel inspirieren lässt. Wir sind nicht früh genug am Gast. Aber Google auch nicht.

Quelle: 19.02.2016
http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/4927284/ExpediaChef_Wir-durfen-nie-Panik-haben

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