„Meterlange Papierschlangen hängen auf den Boden…“


„Nahezu kein Kunde macht sich, trotz Verpflichtung, die Mühe den ausgedruckten Beleg tatsächlich mitzunehmen. Wen interessiert auch ein bis zu 20 cm langer Verkaufsbeleg für eine Kugel Eis? Nicht einmal die Buchhaltung.

Unsere beliebtesten Eisgeschäfte erzeugen in der Saison knapp 50 km lange giftige Thermopapierschlangen pro Monat – und das in jedem der Eissalons! Dazu kommen noch tausende Gastronomiebetriebe mit Registrierkassa – nur in Wien. Bei über 50.000 Betrieben in ganz Österreich ergibt das einen gigantischen Berg an Thermopapier jeden Tag. Das ist weder nachhaltig, noch umweltfreundlich und schon gar nicht förderlich für den Kampf gegen den Klimawandel. Die Erzeugung und der Verkauf dieser Kassenrollen sind schlagartig zu einem höchst attraktiven Geschäft geworden. Der Verbrauch wird quasi vom Gesetz garantiert. Leider wird ein großer Anteil dieser in Österreich verkauften Rollen im Ausland hergestellt. Unserer Wirtschaft nützt das gar nicht. All das um jedem Gast zu beweisen, dass wir Gastronomen alles korrekt abrechnen. So steht es im Gesetz.“

„Im ersten Moment scheint diese Vorgabe auch logisch und nachvollziehbar. Selbstverständlich möchte ich als Kunde eine Rechnung. Wenn schon nicht immer für die eigene Buchhaltung so doch als Beleg um meine Konsumation prüfen zu können. Doch muss dieser Nachweis zwangsläufig auf Papier ausgedruckt werden?

Die Registrierkasse selbst ist mittlerweile ein hochentwickeltes Gerät mit zahlreichen elektronischen Kontrolleinrichtungen. Manipulation ist da seitens des Betreibers nicht möglich. Den Prüforganen des Finanzamts stehen alle gespeicherten Daten auf Abruf zur Verfügung und werden direkt auf deren PC’s übertragen. Ein Beleg interessiert den Beamten gar nicht. Bestenfalls geprüft wird, ob der Beleg richtig ausgedruckt werden kann und alle vorgeschriebenen Daten auf dem Beleg zu finden sind.

So wie bei der elektronischen Bezahlung via Smart-Phone in den Geschäften, sollte es auch für den Gastronomen möglich sein Belege direkt auf das Telefon der Gäste zu senden. Der Gast, der die Rechnung für die Buchhaltung benötigt, kann diese dann im Büro ausdrucken oder elektronisch an seinen Steuerberater senden. Die Kontrolle der Rechnung vor Ort kann ebenfalls direkt am Bildschirm erfolgen. Diese Art der Belegerstellung wäre jedenfalls auch manipulationssicher.

Ich denke, es ist seitens des Gesetzgebers höchste Zeit über solche alternativen und umweltschonenden Möglichkeiten nachzudenken.“

Stellt sich noch immer die Frage, worauf liegt das Finanzministerium wirklich Wert?
Wir halten Euch gemeinsam mit Peter Dobcak auf dem Laufenden.

Quelle: 05.07.2017 aus der Kolumne von Peter Dobcak

Bez.Rat KommR Peter Dobcak, MSc
Obmann der Fachgruppe Gastronomie
Obmann Stellvertreter der Sparte
Tourismus & Freizeitwirtschaft

Wirtschaftskammer Wien
Judenplatz 3-4
A-1010 Wien

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