FKK über den Wolken

PR Gag oder ein Nischenprodukt –
Die Idee ist nicht neu – aber schafft es auf ORF online
Der letzte Veranstalter der diese Idee hatte war  http://www.naked-air.com/
 
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Der erste Nacktflug geht im Sommer in die Luft.
Für manche Menschen beginnt das Urlaubsvergnügen erst, wenn sie sich ihre Kleider vom Leib gerissen haben und in ihrer ganzen Blöße relaxen können.
Für sie soll der Spaß künftig schon früher beginnen: FKK schon im Flugzeug, so lautet die findige Idee eines deutsches Reiseanbieter, der seine Ostsee-Urlauber bereits bei der Anreise zur Freikörperkultur animieren will. „FKK über den Wolken“ weiterlesen

Trojanischer Elch soll Touristen locken

Elch 
Für schwedischen Architekten wird der Traum vom „größten Elch der Welt Wirklichkeit“
Platz für 350 Menschen.
Kulinarik und Kultur im Elch: Wo, wenn nicht in Nordschweden, wäre ein besserer Ort für diese Idee?
Dort, auf einem Aussichtspunkt auf dem etwas über 500 Meter hohen Berg Vithatten im Bezirk Norsjö, soll jetzt ein Bauwerk in Form eines riesigen Elchs entstehen.

1.700 Quadratmeter Elch von innenAuf einer Länge von 47 und einer Höhe von 45 Metern soll „Stoorn“, was im lokalen Dialekt so viel bedeutet wie „der Große“, auf mehreren Ebenen und einer Fläche von insgesamt über 1.700 Quadratmetern einen Konzertsaal und ein Restaurant beherbergen.

Nach jahrelanger Planung hätten die zuständigen Behörden nun grünes Licht für den Bau erteilt, berichtet das englischsprachige schwedische Nachrichtenportal The Local.

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Gemeinsam einsam – Singlehotel Eden in der Schweiz

Singlehotel klingt nach frivolen Poolspielchen, erotischen Massagen und dem Austausch der Zimmernummer. Ist es aber gar nicht.
Von Jürgen Schmieder

Singles im Hotel
Singles unterwegs: das dritte oder fünfte Rad am Wagen.
Foto: istock
 


Man kennt das: Dem besten Kumpel ist wieder mal die Freundin weggelaufen, er will nun Spaß haben. In Clubs gehen. Verreisen. Frauen kennenlernen. Kurz: Das Single-Leben genießen. Und dann steht er bedröppelt und betrunken in der Ecke, während seine Kumpels mit der Partnerin knutschen. Im Restaurant bekommt er einen Tisch, der näher am Kochtopf ist als am Zapfhahn. Und Einzelzimmer im Hotel sind grundsätzlich von hektischen Geschäftsleuten belegt. Als Single ist man stets das dritte oder fünfte oder siebte Rad.

Dabei müssten Singles von Restaurants und Hotels stärker hofiert werden als Senioren vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Schließlich gibt es immer mehr Menschen, die alleine leben – ob gewollt oder nicht. „Single, das ist doch mittlerweile ein Schimpfwort“, sagt der 27-jährige Daniel. Er ist auf einer Singleparty im Brauhaus Ernst August in München. „Aber nicht unbedingt, um eine Frau kennenzulernen, sondern um mich mit jemandem unterhalten zu können und nicht den Vergebenen beim Knutschen zuzusehen.“

Mehr denn je trifft auf Singles der Begriff gemeinsam einsam zu. Es scheint, als bilde sich hierzulande eine eigene Subkultur. Es gibt nicht mehr nur Singlepartys und Partnerbörsen, sondern auch Singlehotels. In der Schweiz eröffnete im September vergangenen Jahres das Singlehotel Eden.

Nie mehr allein mehr…

 

Der Begriff ist jedoch irreführend. Singlehotel – das klingt nach frivolen Kennenlern-Spielchen im Whirlpool, erotischen Massagekursen und Zimmernummer-Tausch. Klar, man will ja den Partner fürs Leben, einen Abschnitt oder nur ein paar Stunden. „Nein, so soll unser Hotel ganz und gar nicht sein“, sagt Besitzerin Lisbeth Mathys. Es sei ein Hotel für Alleinreisende, die sich im Urlaub nicht ausgegrenzt fühlen wollen. „Ich habe es nach dem Tod meines Mannes am eigenen Leib verspürt: Nach einem Tag war mir langweilig, weil außer mir nur Paare und Familien anwesend waren.“

Es geht also beim Allein-Verreisen nicht wie in vielen Online-Kontaktbörsen darum, so schnell wie möglich den angeblich perfekten Partner zu finden. Single sein, das ist mehr denn je eine Lebenseinstellung. Und so wie es Aktiv-Hotels für Sportfreaks, Wellness-Hotels für gestresste Manager und Innenstadt-Hotels für Sightseeing-Junkies gibt, steht nun am Thuner See eben ein Hotel für Alleinreisende.

Wie sieht so ein Hotel aus? Es gibt geräumige Einzelzimmer mit riesigen Betten, einen Swimmingpool, einen Tennisplatz, ein Billard-Zimmer. Sieht alles prima aus, findet man so aber auch in jedem gehobenen Mittelklassehotel. So sehr man auch sucht, man kann auf den ersten Blick nichts singlespezifisches erkennen.

Erst beim Einchecken wird klar, dass es irgendwie doch so zugeht wie bei einer Online-Partnervermittlung. Fragebogen ausfüllen. Alter. Interessen. Erreichbarkeit. Nur ein Foto muss man nicht abgeben. Die Rolle der Suchmaschine übernimmt die Belegschaft. Hat man etwa angegeben, dass man am nächsten Tag auf dem Thuner See segeln möchte, wird nach Gleichgesinnten im Hotel gefahndet und eine Bootstour organisiert. „Bei uns geht es vor allem darum, dass Singles als wichtige Gäste behandelt werden“, sagt Mathys. Deshalb sind alle Zimmer für eine Person ausgelegt. Ein riesiges Bett mit nur einer Matratze etwa. Wer jemals in ein Bett gehüpft ist, bei dem zwei Matratzen von einem Holzbalken getrennt werden, wird das zu schätzen wissen.

Dazu versuchen die Angestellten, Alleinreisende – wenn sie es wollen – zusammenzubringen. So lustig es klingt: Man kann sich die Begleitung zum Abendessen quasi an der Rezeption bestellen. „Man kann selbst entscheiden: Möchte ich allein sein oder mit jemandem zu Abend essen, mit dem ich mich unterhalten kann“, sagt Mathys und deutet auf eine ältere Frau, die sich an der Hotelbar mit einem Mann unterhält. „Die Dame war gestern noch allein, heute hat sie Gesellschaft.“

Deshalb trifft es der Begriff alleinreisend vielleicht besser als single. „Viele Menschen haben einen Partner, der nicht gerne verreist. Was soll die Person machen? Etwa daheimbleiben?“, sagt Mathys. Deshalb sei ihr Hotel nicht nur für Singles gedacht, sondern für alle Menschen, die ein bisschen Zeit für sich brauchen. Wer Ruhe will, bekommt sie. Wer Action will, bekommt sie auch. Und wer einfach nur reden will, kann das nicht nur mit Gästen, sondern auch mit der hauseigenen Psychologin. „Man geht spazieren und redet sich alles von der Seele“, sagt Mathys. Viele Gäste würden diesen Service – auch ohne Sorgen – nutzen.

Aus diesem einen Hotel einen Trend abzuleiten, wäre freilich absurd. Das findet auch der Münchner Singleparty-Besucher Daniel: „Ich gehe gern auf Singlepartys, aber in den Urlaub fahre ich dann doch lieber mit Freunden. Wenn viele Leute wegfahren, dann macht es nichts aus, wenn ein paar Singles dabei sind.“ Ein Single macht eben noch lange keinen Alleinreisenden.

(sueddeutsche.de/mmk)

Baumkronenweg

Tourismus/Reisen/Auszeichnung/Natur/Hotelgewerbe/Oberösterreich

Innovationspreis Leader+Preis geht an den Baumkronenweg: Ideen lassen Bäume in den Himmel wachsen

   Kopfing (TP/OTS) - Der Baumkronenweg erhält den zweiten Platz des bundesweiten Innovationspreises Leader+ in der Kategorie Wirtschaftsprojekte. Vergeben wird der Preis von der Servicestelle Leader+, dem Landwirtschaftsministerium und dem Bundeskanzleramt. Insgesamt wurden 43 Projekte eingereicht. Mit dem Leaderprogramm wurden in den Jahren 2000 bis 2006 rund 1.400 Projekte erfolgreich umgesetzt. Ausschlaggebend für die Zuerkennung des Preises war neben der ökonomischen Sinnhaftigkeit die erfolgreiche Einbettung in die Region. Für den Baumkronenweg sprachen die gute Vernetzung von Landwirtschaft, Tourismus und Gewerbe und die Verknüpfung der Bereiche Umwelt, Kultur und Soziales. Weiterer Pluspunkt: In einer sehr strukturschwachen Region wurden 30 neue Arbeitsplätze geschaffen, vor allem für Frauen, die sonst im Zuge ihres Wiedereinstieges wenige Möglichkeiten gehabt hätten.   Der Baumkronenweg im Innviertler Ort Kopfing beendet seine dritte Saison mit einer beeindruckenden Bilanz: Deutlich mehr als 200.000 Gäste konnten von Ostern bis Ende Oktober begrüßt werden. Seit seiner Eröffnung im Frühsommer 2005 besuchten damit gut 600.000 Personen den Baumkronenweg. In den sechs Baumhotels in zehn Metern Höhe wurden 5.500 Nächtigungen gezählt. Stark zugenommen haben auch die zahllosen Outdoor-Angebote, u.a. wurden in der heurigen Saison 600 Führungen gebucht.

Mit dem 1. November ist der Baumkronenweg in Winterpause gegangen. Die Baumhotels und das Gasthaus "Oachkatzl" bleiben jedoch wegen des großen Erfolges über den Winter geöffnet. "Während der kühleren Monate möchten wir besonders Leute ansprechen, die sich einfach nach Ruhe sehnen und mit viel Komfort ein paar entspannte Tage genießen wollen", sagt Hans Schopf, Geschäftsführer und Initiator des Baumkronenweges. "Wenn es die Witterung erlaubt, bieten wir Schneeschuh- und Fackelwanderungen an, wir organisieren Kurse zum Iglubauen und es gibt eine Eisstockbahn. Weiters können sich unsere Gäste Langlaufskier ausleihen."

Ein Preis für eine aufblühende Region
"Der zweite Platz des bundesweiten Innovationspreises Leader+ in der Kategorie Wirtschaftsprojekte mit einem Preisgeld von 3.000 Euro ist für uns eine wunderbare Bestätigung des eingeschlagenen Weges", freut sich Hans Schopf. "Gleichzeitig sehe ich es auch als Auftrag, den Erfolg des Baumkronenweges mit innovativen Ideen und Strategien langfristig zu sichern." Für den Baumkronenweg ist es heuer bereits die dritte Auszeichnung nach dem Innovationspreis von Forum Land und dem oberösterreichischen Jungunternehmerpreis.

Die Jury hat für die Zuerkennung der Preise fünf Kriterien unter die Lupe genommen, dieses sind: Wirtschaftlichkeit & Nutzen für die Region, Nachhaltigkeit, Innovation & Originalität, Chancengleichheit sowie Kooperation & Vernetzung. Der zweite Platz bestätigt eindrucksvoll die konsequente Umsetzung dieser soziokulturellen Faktoren. Mehr als 30 Arbeitsplätze wurden dauerhaft geschaffen, vor allem für Frauen, weitere 20 Personen sind im weiteren Umfeld für den Baumkronenweg tätig. Sämtliche Aufträge gingen an Handwerksbetriebe aus der Region. Die permanente Weiterentwicklung des Weges - jedes Jahr kommen neue Attraktionen hinzu - garantieren, dass die Anziehungskraft so groß bleibt wie bei der Eröffnung. Zwei weitere Punkte sind dem Familienmenschen und Bauern Hans Schopf von ganz besonderer Bedeutung: Familienfreundlichkeit und Spezialitäten aus der Region. So sind die Wege des Baumkronenweges gut mit Kinderwagen und Rollstuhl begehbar, und sowohl das Gasthaus als auch die sechs Baumhotels beziehen die Lebensmittel aus der Region.
Der Baumkronenweg im oberösterreichischen Innviertel bietet ein europaweit einzigartiges Naturerlebnis. Auf einer Länge von 1.000 m schwingt sich der Baumkronenweg bis auf eine Höhe von mehr als 20 m und verbindet 40 Plattformen miteinander. Diese bieten einen phantastischen Ausblick ins Innviertel, ins benachbarte Bayern und ins Salzkammergut. Für die Errichtung der Stege und Aussichtsplattformen brauchte es mehr als 35 Kilometer Rundhölzer, insgesamt wurden rund 1.500 Festmeter Holz verbaut. 20 Tonnen Schrauben und Muttern halten die Konstruktion zusammen. Insgesamt ist der Weg gut zwei Kilometer lang, über 30 Stationen sprechen alle fünf Sinne der Besucher an. In Summe wurden bislang rund 1,5 Mio. Euro investiert. Unterstützt wurde das Projekt im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative Leader+ aus Mitteln des Bundes, des Landes Oberösterreich und der Europäischen Union. Der Baumkronenweg ist ab kommendem Frühjahr wieder montags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. - Die Baumhotels sind auch über den Winter voll in Betrieb.
Druckfähige Fotos des Baumkronenweges und der Baumhotels unter:
www.baumkronenweg.at

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

OTS0157    2007-11-12/12:17

121217 Nov 07

Koscher im Pinzgau

Koscher im Pinzgau

Von Martin Meggle

Fromme Juden finden in einem Alpental ein Hotel, das sich nach ihren Bedürfnissen richtet.

Saalbach-Hinterglemm

Vor dem Eingang des rustikalen Blumenhotels steht der Maschgiach auf der Dorfstraße und legt eine Pause ein. Er ist eine Art Küchenaufseher, der über die genaue Einhaltung der jüdisch-orthodoxen Speisegesetze wacht. Mit Kaftan, Kipa und Schläfenlocken wärmt er sich in der Mittagssonne und blinzelt zu den Pinzgauer Grasbergen. Seine Aufgabe erfüllt er mit großer Selbstverständlichkeit, als befände er sich mitten in New York und nicht an einem Talschluss der österreichischen Alpen. Doch nicht die schmutzige Brühe des Hudson River fließt an dem Maschgiach vorbei, sondern die Saalach, ein kristall-klarer Gebirgsbach, rauscht zu Tal. Willkommen und Grüß Gott in Hinterglemm. Aber eben auch Schalom!

Ein Mädchen aus orthodoxer Familie flitzt vorbei zum Spielplatz, der Maschgiach blickt ihm fröhlich hinterher. Ein mächtiges, holzgeschnitztes Kruzifix prangt am Hoteleingang, nur wenige Schritte vom Maschgiach und dem spielenden Mädchen entfernt. Zu Füßen des Gekreuzigten: zwei Parkbänke für Spaziergänger, die jausnen oder nur verschnaufen wollen. »Ruhe und Erholung wünscht Familie Sommerbichler, Hotel Tirolerhof« steht auf dem Schild der Bank geschrieben. Eine Postkartenidylle, endlich Sommerfrische in Österreich.

Wenn Schnee liegt werden in dem Wintersport-Dorado Saalbach-Hinterglemm 1,5 Millionen Übernachtungen gezählt. Im Sommer sind es jedoch nicht einmal ein Drittel. Um den saiso-nalen Gästeschwund auszugleichen, lassen sich Hotelbesitzer immer erstaunlichere Angebote für die wählerischen Gäste einfallen. Auf die Idee, ein koscheres Hotel für orthodoxe Juden zu eröffnen, ist in Österreich aber noch niemand gekommen. Genau das hat sich Stefan Sommerbichler, ein Hotelier von 35 Jahren, jedoch vor dreieinhalb Jahren in den Kopf gesetzt. Mitten im Irak-Krieg, als in Israel Gasmasken an die Bevölkerung verteilt wurden, öffnete er sein »Spa & Wellness Kosher Hotel«, das ausschließlich für orthodoxe Juden reserviert ist. Sommerbichler hat dabei nicht nur Glück gehabt, sondern auch ziemlich gute Nerven.

Als sein Entschluss endgültig feststand, wollte ihn zunächst niemand ernst nehmen. Im Dorf riet man ihm, »den Blödsinn« doch schleunigst zu vergessen. Aus Israel kam die vermeintliche Hiobsbotschaft: »Österreich? In dem Land kann ein frommer Jude, der den Sabbat und die Speisegesetze einhält, doch keinen Urlaub machen!« Auch liberalere Juden nahmen den Hotelier anfangs nicht ernst. Aber sie kannten den Sommerbichler schlecht und ahnten nicht, wie sehr ihn gerade die Herausforderung, dieser Seiltanz reizte, den er auf 1100 Meter Seehöhe zu bewältigen sich vorgenommen hatte.

Sogar chassidische Rebben halten einen Sommer lang Hof im Alpental

Mehrmals musste er beim orthodoxen Kashrus Komitee Khal Yisroel in Wien vorstellig werden. Dort wird eine Gütesiegel erteilt, das die ordnungsgemäße Befolgung der Kaschrut, der jüdischen Speisegesetze, bescheinigt. Genau diese Lizenz aber war für Sommerbichlers Pläne unerlässlich. »Grüß Gott«, sagte Maria, eine Mitarbeiterin des Hotels, die ihren Chef zum Rabbiner nach Wien begleitetete. Maria streckte dem Rabbi ihre Hand entgegen, doch der erwiderte, die einzige Frau, der er seine Hand reiche, sei seine Frau. »Dann hat der Rabbiner geglaubt, dass er mich schnell wieder loswird«, erzählt Sommerbichler. Aber der Mann aus den Alpen habe den Rabbiner nach allen Regeln der Kunst »aufgenudelt, also monatelang genervt«. Er ließ einfach nicht locker, arbeitete sich vor bis zu Rabbi A. Y. Schwartz, der die Hauptverantwortung in dem Kashrut-Komitee trägt. Nach stundenlangen Gesprächen bei einem koscheren Essen hatte er das ersehnte Siegel schließlich in der Tasche. Der Rabbiner prophezeite, man werde Sommerbichler wegen des koscheren Hotels anfeinden und auch ihn, der es ermöglicht hatte.

Der Tirolerhof sollte nicht bloß ein »bisserl« koscher werden, sondern »glatt koscher«, also der strengen Auslegung der Vorschriften folgen. Andernfalls »würden die frommen Juden aus New York oder die traditionellen Chassidim gar nicht kommen«, meint der Hotelier. Schon im ersten Jahr reisten Orthodoxe aus Europa und Israel an und im vergangenen Sommer auch aus dem fernen New York.

Rabbiner Aharon Spitzer, der neben dem Maschgiach für die strikteste Einhaltung der Speisegesetze in dem Vier-Sterne-Haus zuständig ist, versichert, dass dieses Hotel nicht nur in Österreich, sondern »auf der ganzen Welt« einzigartig sei. Strikt koschere Hotels würden überall nur von Juden geführt. Normalerweise. Mittlerweile aber haben sich die orthodoxen Juden auch in dem eindeutig nichtjüdischen Tirolerhof eingelebt, und manch ein geistliches Oberhaupt der chassidischen Tradition quartiert sich sogar über mehrere Monate mit seinen engsten Getreuen ein. Die Anhänger des jeweiligen Rebbes reisen dann oft mit ihrem großen Familienanhang aus verschiedenen Erdteilen an, um ein, zwei Wochen lang mit ihrem spirituellen Lehrer gemeinsam zu beten und religiöse Schriften zu studieren.

Die chassidischen Rebbes mit ihrer Gefolgschaft erinnern an einen kleinen Hofstaat. Rabbiner, denen Sommerbichler auf dem Hotelgelände begegnet, kennt er oft persönlich. Manche sind eine oder sogar zwei Generationen älter als er und gehen mit ihm väterlich um wie mit einem eigenen Sohn. Sie klopfen ihm auf die Schulter, loben ihn für seine Arbeit und indirekt wohl auch für seinen Mut. Ja, gesteht Sommerbichler, da schwinge manchmal schon so etwas mit wie ein »Familiengefühl«. Selbst der Schwester des Hoteliers ist es schleierhaft, wie ihr Bruder es geschafft hat, die Herzen selbst ultraorthodoxer Juden zu erobern. Es imponiere ihr, sagt sie mit schwärmerischem Blick, wenn die orthodoxen Juden aus New York im Tirolerhof sich gleich nach ihrer Ankunft erkundigen: » Where is Stefan?«

Von außen betrachtet, verrät nichts das orthodoxe Innenleben des Tirolerhofs. Geranien hängen von den Balkons und sehen auch hier so aus, als dürften sie nie im Leben verwelken und müssten tapfer endlos weiterblühen. Der Hotelier hat unterdessen für alles gesorgt, für streng koschere Kost ebenso wie für hotelinterne Synagogen: Die zünftige Wirtsstube, in der im Winter die Skifahrer manchmal bis zum Umfallen »schnapseln«, wird im Sommer flugs in eine Synagoge umgewandelt. Jedes Jahr leiht Sommerbichler Thora-Rollen aus, die in Vitrinen aufbewahrt werden. Auch eine kleine Bibliothek mit orthodoxen Schriften hat der Hotelier angelegt. In den Hotelzimmern lässt er »Sabbat-Uhren« installieren, Zeitschaltstecker, weil es den Gläubigen verboten ist, am Sabbat das Licht ein- und auszuschalten. Der Ansturm war schon im ersten Jahr so enorm, dass die Räumlichkeiten des Tirolerhofs nicht mehr ausreichten, und in anderen Häusern des Familienunternehmens Sommerbichler Synagogen eingerichtet werden mussten. In der Hochsaison öffnet Sommerbichler manchmal gleich drei Synagogen gleichzeitig, wobei im größten Gebetsraum bis zu 500 Gläubige Platz finden. Selbst aus zusätzlich angemieteten Ferienwohnungen strömen in den Sommermonaten orthodoxe Juden in Sommerbichlers Betstuben oder kaufen im Take-away-Service des Hotels koschere Gerichte.

Der Hotelier ist ein öffentlichkeitsscheuer Mann, der kaum über sein innovatives Tourismusprojekt spricht. Sogar ein israelisches Fernsehteam wimmelte er unlängst ab. Er ist sich bewusst, dass es sich bei seinem Unternehmen um eine diplomatische Gratwanderung handelt. Das benachbarte Zell am See ist beispielsweise in den vergangenen Jahren zu einem Mekka für arabische Urlauber geworden. Auch das könnte im entsprechenden Kontext zu einer spekulativen Story missbraucht werden. »Ich bin eben nicht mediengeil«, meint Sommerbichler vorsichtig. Je weniger er im Gespräch ist, desto besser kann sich die koschere Sommerfrische entwickeln.

Wenn im Hotel die Milch ausgeht, muss der Maschgiach auf die Alm

Wenn dann die orthodoxen Juden im nächsten Sommer wiederkommen, werden die räumlich getrennten Kochräume, Milchküche und Fleischküche, wieder blitzeblank gekaschert, also rituell vom Alltagsgebrauch der Wintersaison gereinigt werden. Dann darf wieder kein Gericht, kein Besteck, kein Teller von der Fleischküche in die Milchküche gelangen und umgekehrt. Überhaupt, das Besteck, alle Messer würden unter Aufsicht des Maschgiach mit einer Art Tauchsieder sterilisiert. Da gehe immer wieder etwas kaputt, klagt der Hotelbesitzer. Seine Schwester aber muss lachen und sagt: »Aber wenigstens sauber wird’s.«Wenn im Sommmer die Kühe nicht unten im Stall stehen und im Hotel der Milchvorrat ausgeht, dann muss der Maschgiach wieder schleunigst auf die Alm wandern und dem Senner beim Melken auf die Finger schauen, damit die Milch nicht in falsche, das heißt nicht koschere Eimer geschüttet wird. Sommerbichler gesteht: »Mit der jüdischen Milch, also der mit dem koscheren Stempel, mit der machen wir schon was mit.« Manche rituelle Prozedur sei mitunter schon ein »Mordstheater«. Aber auch dieser Aufwand ist es ihm offenbar wert. »Bei uns«, sagt Sommerbichler, ist es so streng, dass sich sogar manche Rabbiner darüber wundern.«Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben »

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© DIE ZEIT, 14.09.2006 Nr. 38